Triggerwarnung: Dieser Artikel behandelt das Thema „Selbstverletzendes Verhalten“. Solltest du selbst ein solches Verhalten zeigen oder dich das Thema belasten, überlege gut, ob du den Artikel lesen möchtest. Du kannst ihn auch zusammen mit einer dir vertrauten Person lesen.
„Jeder fünfte Schüler ritzt sich“, so die Schlagzeile des Jugendpsychiaters Jörg Fegert.
Dennoch ist das Thema häufig noch ein Tabu und es wird weggesehen, ignoriert und verspottet. Warum das so ist, welche Fehlannahmen verbreitet sind und was du tun kannst, wenn du betroffen bist, kannst du in diesem Artikel lesen.
Ein großer Aspekt, der dieses Thema betrifft, ist die fehlende Aufklärung darüber. Zum einem ist Selbstverletzung oftmals ein Verhalten der Gefühlsregulation und dient in den meisten Fällen keines falls der Erzielung von „Aufmerksamkeit“, wie es oft als Vorurteil dargestellt wird. Betroffene handeln also nicht, damit sie Beachtung erhalten, sondern weil sie keine andere Möglichkeit sehen, ihre Gefühle zu regulieren.
Zum anderen ist selbstverletzendes Verhalten und „Ritzen“ nicht ein und das selbe. Selbstverletzung kann in unterschiedlichen Formen auftreten, dazu gehört nicht nur das Schneiden mit spitzen Gegenständen. Als definitorische Faustregel gilt, sobald ein Verhalten des erzielten, eigenen Schadens durchgeführt wird, kann man von Selbstverletzung sprechen. Es ist also klar, dass selbstverletzendes Verhalten den Menschen schadet und man lernen muss, andere Wege zu gehen, auch wenn dies zu Beginn schwer fällt.
Außerdem sind Menschen, die sich selbst verletzen, nicht gleich psychisch krank, da es kein eigenständiges Krankheitsbild ist und oft als Symptom auftritt, aber auch ohne begleitende Erkrankung auftreten kann. Dementsprechend ist der verbreitete Glaube, dass Personen, die von diesem Verhalten betroffen sind, alle Depressionen und Borderline haben, ein Irrtum. Eine Depression ist eine affektive Störung, dessen Krankheitsbild größtenteils durch eine niedergeschlagene Stimmung gekennzeichnet ist und Borderline gehört zu den Persönlichkeitsstörungen. Selbstverletzendes Verhalten kann also Ausdruck bzw. Symptom dieser Krankheiten sein, muss es aber nicht zwangsläufig.
Ein anderer Punkt dieses Tabu-Themas ist, dass Betroffene oft aus Scham, Angst oder anderen Gründen ihre Narben verstecken oder nicht offen über dieses Thema reden.
Wenn du selber vom selbstverletzendem Verhalten betroffen bist, dann kannst du deine Narben, wenn du möchtest, auch zeigen. Diese sind nun mal ein Teil von dir und erzählen deine Geschichte. Außerdem brauchst du dich nicht zu schämen, denn Narben zeigen keine Schwäche. Und vergiss niemals, dass sie deinen Wert niemals verändern! Narben brauchen keine Triggerwarnung – Es bedarf vielmehr der Aufklärung und der Thematisierung dieses Verhaltens. Natürlich sollte man sich aber auch darüber bewusst sein, dass das offene Tragen der Narben zu Fragen der Mitmenschen führen kann oder auch gerade jüngere Kinder verunsichern kann.
Wenn man als Außenstehender Menschen kennt, die unter Selbstverletzung leiden, dann sollte man niemals von diesen fordern, dieses Verhalten einfach und sofort zu vermeiden. Dies kann für Betroffene sehr schwer sein und mit hoher Wahrscheinlichkeit haben diese dann ein schlechtes Gewissen, schämen sich und verschließen sich mehr, da sie ihre Mitmenschen nicht enttäuschen wollen.
Stattdessen sollte man ihnen einen sicheren Raum geben, um über die Auslöser dieses Verhaltens zu sprechen, denn oftmals ist Selbstverletzung eine Reaktion auf Probleme, dessen Ursprung viel tiefer liegt als die Wunden der Selbstverletzung.
Ganz wichtig ist es aber zu betonen, dass selbstverletzendes Verhalten nicht akzeptiert werden muss, sondern man sich unbedingt Hilfe holen kann. Bei uns an der Schule geht das zum Beispiel über unsere Schulsozialarbeiter*innen. Ansonsten kannst du dich auch immer einer anderen Person deines Vertrauens öffnen und mit ihr gemeinsam nach Lösungen suchen.
Auch die Nummer gegen Kummer 116 111 kannst du anrufen und um Hilfe bitten. Denk daran, du bist nicht allein und Hilfe ist da!
Ein anonymer Beitrag aus der Jahrgangsstufe EF

