Du schaust mich an.
Ich lächle.
Damit du dich wohler fühlst.
Aber was ist mit mir?
Ich lächle, obwohl mir nicht danach ist. Obwohl ich die Kraft dafür nicht habe. Aber wen interessieren meine Gefühle?
Ich lächle, damit du mich für keine Terroristin hältst.
Ich lächle, damit du weißt, dass ich nicht böse bin.
Ich lächle, damit du merkst, dass deine Vorurteile nicht stimmen.
Doch trotzdem hat mich die Dame gefragt, ob mich jemand zum Kopftuch zwingt.
Trotzdem haben die Jugendliche hinten im Bus über mich getuschelt.
Trotzdem wurde ich gefragt, ob ich nicht zum Glauben gezwungen wurde.
Trotzdem wurde ich gefragt, ob ich nur in der Küche stehe.
Doch dass ich aus freier religiöser Überzeugung mein Kopftuch trage, interessiert niemanden.
Dass ich mich so wohler fühle und mein Kopftuch als eine Art Krone sehe…
Das will niemand hören. Als ich mich vorstellte, musste ich direkt meine besten Leistungen auftischen, während alle andern angenommen wurden.
Und als ich plötzlich oben stand, gab es nur skeptische Kommentare und Blicke.
Kein Lob, keine Freude, keine Erkenntnis – nur dieser Blick, den ich schon so gut kannte, aber so sehr hasste. Dieser widerliche abwertende Blick.
Doch ich lächelte, damit ihr euch wohler fühlt.
Damit ihr seht, wie viel Kraft und Liebe mir der Islam gibt
Auch wenn ich für euch am Ende des Tages nur die Terroristin bin, die Unterdrückte, die Extremistin, die Ausländerin.
Ich lächle.
Ein Beitrag von Sadaf

