Am Ende des letzten Schulhalbjahres hatte unser Kunstkurs der EF unter der Leitung unserer Kunstlehrerin Stephanie Daume die Gelegenheit, sich unter Anleitung der Preisträgerin des Konrad-von-Soest-Preises, Esra Ersen, aktiv mit dem Thema „Stillleben“ zu beschäftigen. Das dabei entstandene Kunstwerksollte nicht nur künstlerische Aussagen treffen, sondern vor allem auch auf globale Probleme aufmerksam machen.

Das Projekt hatte einen längeren Vorlauf. Zu Beginn des neuen Schuljahres lernten wir die Künstlerin Esra Ersen zum ersten Mal kennen. Während des Treffens hat sie von sich erzählt, ihrem künstlerischen Werdegang und ihrer Arbeit. Parallel dazu ging es um unsere Interessen und Hobbys, um mögliche Ideen für ein gemeinsames Projekt zu entwickeln. Dabei kristallisierte sich schnell heraus, dass unser Projekt auf jeden Fall etwas mit aktuellen, politischen und gesellschaftlichen Themen zu tun haben sollte, mit denen wir Jugendliche uns beschäftigen bzw. die uns beeinträchtigen.

Im Herbst, d. h. im September 2023, haben wir uns bei einem nächsten gemeinsamen Termin ihre Kunstausstellung im LWL-Museum Münster angeschaut, um vor allem ihre künstlerische Arbeit ein wenig besser kennenzulernen und um weitere Inspirationen für das anstehende Kunstprojekt zu sammeln. Wir als Kurs fanden die Ausstellung sehr ausdrucksstark und konnten die dort vermittelten Ansichten, Botschaften und Emotionen gut nachvollziehen. Während der Ausstellung wurde Esra Ersen von den Kunstvermittlern des Museums unterstützt und wir lernten durch sie noch ausführlicher die einzelnen Werke kennen.

Bis dahin hatten wir uns noch nicht auf ein endgültiges Thema für unser gemeinsames Projekt verständigt. Deshalb verabredeten wir, anhand von aktuellen Zeitungsartikeln zu recherchieren und gemeinsam zu überlegen, welche Themen und Probleme uns besonders als Jugendliche immer wieder nahekommen. Die kritischen Themen waren schnell gefunden, die steigenden Prognosen für die AfD, der Krieg in der Ukraine und der zwischen Israel und Palästina. Die Angst vor der Zukunft zeigte sich bei uns Jugendlichen aber auch bei anderen Themen, wie z.B. dem Klimawandel. Der Kurs musste deshalb nicht lange überlegen, sondern hatte schnell Ideen gefunden, die wir Esra Ersen per E-Mail zukommen ließen.

Am Ende des Schulhalbjahres, im Januar 2024, begann schließlich unser endgültiges Projekt mit der Künstlerin Esra Ersen. Das konkrete Thema des Projektes blieb bis zum Schluss offen, wurde dann aber durch die Künstlerin aufgelöst. Nach einer Einführung in die Entwicklung der Stilllebenmalerei und die symbolische Bedeutung von Gegenständen als Zeichen für Vergänglichkeit sollten auch wir dieses Genre für unsere Botschaften nutzen. Wir bekamen unglaublich viele verschiedene Früchte, Obst und Gemüse, auf die wir dann unsere Nachrichten für die globale Welt verfassen sollten. Das heißt, das Projekt war als Protest gegen all die schlimmen und grausamen Taten in derWelt gedacht. Statt Diskriminierung und Vorurteile, sollten Akzeptanz und Toleranz transportiert werden. So haben wir am Ende wirklich jedes Obst und Gemüse beschriften können. Dabei haben wir auch auf Schriften, die Anordnung der Aussagen sowie Farbe und Kontraste geachtet.

Von einigen von uns gab es aber auch Bedenken gegenüber dem Projekt, da niemand Obst und Gemüse, d.h. Nahrungsmittel ,,unnötig‘‘ verschwenden wollte. Jedoch stellte sich am Ende heraus, dass die einzelnen Früchte, das Obst und das Gemüse künstlerisch „genutzt“ wurden, sie weiterverwendet wurden ohne sie zu „verschwenden“.

 Während des „künstlerischen“ Prozesses hatten wir viel Kontakt mit Esra Ersen und sie hat uns natürlich viel an kreativer Hilfestellung gegeben. So konnten wir viele verschiedene „Nachrichten an die Welt“ verfassen, der Transport per Obst oder Gemüse vermittelte noch einen ganz besonders intensiven Eindruck. Durch die Verbindung zu den opulenten Vanitas Stillleben des Barockzeitalters erhielt unser Früchtearrangement eine sinnbildhafte Aussage mit aktuellen Statements an die Zeit.

 Für die Anordnung des Obstes und des Gemüses mit den globalen Botschaften musste dann noch eine besondere Form gefunden werden, ebenso wie die Auswahl der Schriftarten, Anordnung und Farbe, um insgesamt einen intensiven und ansprechenden Eindruck zu entwickeln. Während der zwei praktischen Projekttage wurden wir und der künstlerische Prozess zudem durch die Kunstvermittler*innen des LWL-Museums und einen professionellen Fotografen begleitet. Unsere beschrifteten Früchte und Gemüse wurden letztendlich von Esra Ersen zu einem gemeinsamen Stillleben arrangiert und fotografisch festgehalten. Das beste Foto soll nun als Postkarte unsere Botschaften in die Welt transportieren und verbreiten. 

 Offensichtlich waren das Ergebnis und unsere Arbeit so überzeugend, dass er auch der Lokalzeitung, den Westfälischen Nachrichten, einen ausführlichen Bericht Wert war.

 Rückblickend kann man feststellen, dass das Projekt bei den Schülerinnen und Schülern unseres Kurses gut ankam. Es hat uns allen gut gefallen, nicht nur, weil es gegenüber dem „normalen“ Kunstunterricht anders organisiert war, sondern auch weil es inhaltlich und methodisch besonders herausstach. Wir haben nicht nur die Kunst von Esra Ersen kennen- und verstehen gelernt, sondern konnten selbst aktiv und kreativ unsere Sicht auf die aktuellen Zeitgeschehnisse, Hoffnungen und Ängste zum Ausdruck bringen.

 Das Projekt war ganz offensichtlich nicht nur für uns, sondern auch für Esra Ersen etwas Besonderes und es hat uns Spaß gemacht, mit ihr zu arbeiten.

 Herzlichen Dank an alle, die uns diese Erfahrung ermöglicht haben.

 

Elina und Christopher für den EF Kunst Kurs des Geschwister-Scholl-Gymnasiums