Was kann ich tun, wenn ich von Mobbing betroffen bin?
Wenn du Probleme mit Mobbing hast, dann wende dich am besten an eine (erwachsene) Person, der du vertraust! Manchmal kann es sein, dass man Angst hat mit den Eltern oder den Klassenlehrer*innen zu sprechen. Statt es für sich zu behalten, sollte man allerdings lieber mit einer anderen Lehrkraft reden, der man vertraut. Man kann mit einem Sozialarbeiter sprechen oder erstmal nur einem Freund oder einer Freundin von der Situation erzählen. Man kann auch anonym und kostenfrei die Telefonseelsorge oder Nummer gegen Kummer anrufen oder mit Helfern chatten, wenn es einem mental gerade nicht gut geht.
Nummer gegen Kummer: 116 111
Sich zu öffnen fällt in dieser Situation wirklich schwer, aber alleine sich das Problem einmal von der Seele zu reden hilft meiner Erfahrung nach enorm! Wenn man dauerhaft eine solche Last mit sich trägt, dann fühlt es sich an, als müsste man die Luft anhalten, weil man einfach nicht atmen kann. Aber man kann nicht ewig die Luft anhalten. Irgendwann bricht man zusammen.
Ich kann an dieser Stelle nur folgendes sagen: Du bist nicht allein! Es kann sich manchmal anfühlen, als wäre man der einzige mit solchen Problemen und müsste sie deswegen auch irgendwie alleine durchstehen, aber es gibt wahnsinnig viele Menschen, die verstehen, wie du dich fühlst und für dich da sind! Ich weiß, ich habe die Schule überstanden und habe somit gut reden! Aber ich möchte dir versichern: Es wird besser!!! Ich habe das selbst nicht geglaubt, als man es mir in der neunten Klasse sagte, aber es stimmt. Die Menschen werden reifer, eingeschworenen Klassenverbände lösen sich auf und man lässt die Menschen, die einen schlecht behandeln hinter sich.
Wenn man etwas gegen seine Probleme tut und sich dafür auf Hilfe einlässt, dann kann man irgendwann auch wieder durchatmen.
Was kann ich tun, wenn ich nicht betroffen bin, aber Mobbing mitbekomme?
Wenn ihr nicht damit einverstanden seid, was über einen Mitschüler oder eine Mitschülerin gesagt wird, dann widersprecht! Wenn ihr euch sicher genug fühlt, dann geht dazwischen! Wenn ihr euch nicht traut, dann sagt am besten möglichst schnell einer Lehrkraft Bescheid! Sprecht die betroffene Person an und fragt sie, ob es ihr gut geht, ob sie reden möchte, oder ob ihr etwas für sie tun könnt. Zeigt eure Unterstützung! Zeigt, dass die Person nicht allein ist! Mit Verständnis, Mitgefühl und Güte können wir alle, jeder einzelne, ein Zeichen dafür setzen, dass der Hass keinen Platz bei uns hat.
Das gleiche gilt übrigens auch für Lehrkräfte. Das sollte zwar selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht! Bei mir gab es viele Vorfälle über längere Zeit bei verschiedenen Lehrerkräften. Viele haben dies unterbunden und mit mir individuell das Gespräch gesucht, aber das passierte leider nicht immer! Als ich unter Mobbing litt, waren einzelne verständnisvolle und hochqualifizierte Lehrkräfte, der einzige Grund für mich weiterhin zur Schule zu kommen, obwohl es sonst unerträglich war.
Liebe Lehrkräfte, seien Sie sich bitte ihrer Verantwortung bewusst! Diese Verantwortung geht meines Erachtens über die fachlichen Unterrichtsinhalte hinaus. Sie haben für die Schülerinnen und Schüler eine gesetzliche Fürsorgepflicht. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht immer einfach ist Mobbing zu erkennen und man nicht immer sicher ist, wie man damit umgehen sollte und womit man dem betroffenen Kind vielleicht keinen Gefallen tut, aber nichts tun ist in den seltensten Fällen die Lösung. Tatsächlich sind manche Witze harmlos und für alle beteiligten unterhaltsam, aber andere verletzen. Die wenigsten Opfer möchten es sich anmerken lassen, wenn letzteres der Fall ist. Deswegen ist es immer besser einmal zu oft nachzufragen als zu selten.
Lehrer und Lehrerinnen hinterlassen einen bleibenden Eindruck auf ihre Schüler*innen. Die meisten Menschen erinnern sich noch ihr Leben lang an die guten und schlechten Erfahrungen, die sie in der Schule machen. Wer sich für einen pädagogischen Beruf entscheidet, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass er durch sein Handeln oder seine Untätigkeit bewusst oder unbewusst die Edukanden in bestimmte Richtungen lenkt. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich in Mobbingsituationen als Lehrkraft richtig zu verhalten.
Egal ob Schüler*in, Lehrkraft, Elternteil oder generell: Es braucht manchmal nicht viel um jemandem etwas Gutes zu tun. Das bezieht sich nicht nur auf Mobbing. Wenn ihr bemerkt, dass es jemandem nicht gut geht, dann zeigt, dass ihr bereit seid für diese Person da zu sein, wenn er oder sie mal Hilfe braucht!
Man kann nie sicher wissen, wie es einem Menschen geht und was er oder sie gerade durchmacht oder im Leben schon durchmachen musste.
Fazit
Jede und jeder einzelne sollte sich den massiven Problemen mit Mobbing, der schwerwirkenden Auswirkungen auf die Opfer und seiner oder ihrer eigenen Rolle in der Situation bewusst sein.
Das Geschwister-Scholl-Gymnasium ist eine Schule mit Courage und darauf darf es stolz sein. Der Grund, warum ich diesen Text schreibe, ist, dass die Schule und die besondere Gemeinschaft dort mir am Herzen liegt und ich möchte, dass dort weiterhin selbstkritisch daran gearbeitet wird, dass Akzeptanz, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung oder Erkrankungen nicht nur ein Ideal, sondern Alltag wird. So finden hoffentlich alle Schülerinnen und Schüler zukünftig Freude am Wissen, Verstehen, Gestalten!
