Schon bald werde ich in meinem Zimmer sitzen, vor mir werden sich Bücher, Mitschriften und Karteikarten stapeln. Das Abitur liegt zwischen den Blättern, als wolle es mich daran erinnern, dass die Uhr tickt, wie ein Rennen gegen die Zeit. Es werden Fragen aufkommen wie: „Wie läuft das Abi?“ Eltern, Lehrer, Freunde – alle wollen es wissen. Als würde von meiner Leistung abhängen, wie viel ich als Mensch wert bin. Warum ist das so? Warum gehört Leistungsdruck für uns schon fast zum Alltag? Und was ist Leistungsdruck überhaupt?

Leistungsdruck beschreibt das Gefühl, ständig Höchstleistungen erbringen zu müssen, um Erwartungen zu erfüllen. Seien es die eigenen oder die Erwartungen der anderen. Er schleicht sich oft unbemerkt ein und kann von einem Gefühl des Ansporns schnell zu einer Belastung werden. Es beginnt ja schon in der Schule: Wer gut sein möchte, muss hart arbeiten, eventuell über Grenzen gehen und darf on top keine Fehler machen. Fehler in Klausuren bedeuten oftmals Scheitern. Und Scheitern bedeutet oftmals, nicht gut genug zu sein. Aber woher kommt dieser unaufhörliche Drang nach mehr?

Unsere Gesellschaft lebt nach dem Motto: Höher, schneller, weiter. Das fängt schon früh an, sozialisiert zu werden. Kinder werden schon früh in Förderkurse gesteckt, um schneller zu lernen. In der Schule geht es darum, die besten Noten zu haben, um einen der wenigen Studienplätze zu ergattern. Wer studiert, muss Praktika, Nebenjobs und Auslandserfahrungen unter einen Hut bekommen, um später in der Arbeitswelt eine gute Chance zu haben. Wer einmal innehält und Pause macht, verliert angeblich den Anschluss. Getreu dem Motto: nicht stehen bleiben. Denn Stillstand bedeutet heutzutage Rückschritt.

Doch es ist nicht nur die Schule oder der Beruf, die uns unter Druck setzen. Unsere gesamte Gesellschaft ist darauf programmiert, Erfolg mit Anerkennung gleichzusetzen. Ein eigenes Auto, ein schickes Haus, eine perfekte Karriere. Das sind die Ziele, die als erstrebenswert angesehen werden. Sowohl die Medien als auch Social Media verstärken dieses Bild. Influencer zeigen uns perfekte Körper, Luxusreisen und makellose Tagesabläufe, als sei das der neue Maßstab für Glück. Aber was passiert, wenn man diesem Bild nicht gerecht wird? Wenn man merkt, dass man nicht mithalten kann oder nicht will? Genau dann entsteht das Gefühl von Wertlosigkeit, weil wir glauben, nicht gerecht zu sein. Dabei sind es oft diese unerreichbaren Ideale, die uns daran hindern, uns selbst anzunehmen. Denn eine Gesellschaft, die ständig nach mehr verlangt, verlernt, das Wesentliche wertzuschätzen.

Aber was macht das mit uns? Ich merke selber, wie ich mich frage, wer ich bin und was mich glücklich macht. Wir hetzen von Aufgabe zu Aufgabe, von Ziel zu Ziel, und dabei verpassen wir das Leben. Das wahre Glück findet nicht in den perfekten Noten, einem hohen Einkommen oder dem besten Lebenslauf statt. Es zeigt sich in den kleinen Momenten: in einem Lächeln, das man mit Freunden teilt, in einer tiefen Umarmung oder auch im Sonnenuntergang, den man bewusst genießt. Glück ist kein Wettbewerb. Es ist das Gefühl von Zufriedenheit und Dankbarkeit für das, was wir bereits haben. Wir vergessen oft, dass das Leben nicht auf Effizienz und Leistungen reduziert werden kann. Menschen sind keine Maschinen. Was uns ausmacht, sind unsere Fehler, unsere Träume, unsere einzigartigen Erfahrungen und Beziehungen. Wir sollten aufhören, unser Glück von der Anerkennung anderer abhängig zu machen, und stattdessen lernen, uns selbst zu akzeptieren. Denn Glück liegt nicht darin, alles zu haben, sondern in dem, was wir daraus machen, was uns bereits umgibt.

Wir leben in einer Welt, die uns lehrt, dass wir nie genug sind. Doch vielleicht sollten wir anfangen umzudenken. Dieser Leistungsdruck, der von der Gesellschaft aufgezwungen wird, ist oft nicht mehr als eine Illusion. Denn wenn wir ehrlich sind, bringt es niemandem etwas, ständig höher, schneller und besser sein zu wollen. Weder werden wir dadurch glücklicher, noch das Leben wertvoller. Im Gegenteil: Dieser Druck entfremdet uns von uns selbst und von dem, was wirklich wichtig ist. Er lässt Momente verpassen und lenkt uns von unserer eigenen Zufriedenheit ab. Es ist okay, Fehler zu machen. Es ist okay, nicht perfekt zu sein. Und es ist okay, sich nicht mit anderen zu vergleichen. Denn was am Ende wirklich zählt, sind nicht unsere Noten oder unser Erfolg, sondern die Momente, in denen wir uns lebendig fühlen. Die Gespräche mit Freunden, das Innehalten und die Zeit, die wir uns selbst schenken.

Lasst uns lernen, mit dem zufrieden zu sein, was wir haben und was wir können. Denn das ist es, was uns als Menschen ausmacht. Nicht die Leistung, sondern das Leben. Der wahre Wert des Lebens lässt sich nicht in Zahlen messen, sondern nur durch tagtägliches Fühlen.

Ein Text von Max, Q2