Jeden Donnerstag ein neues Kapitel
von unserer Autorin D.cee
aus der spannenden Erzählung „Sleeping in a lie“
„Ich hasse dich!” schrie ich meiner Mutter zu, bevor ich die Tür zuschlug. Ich musste schnell weg, bevor sie mich erwischten. Meine Sachen waren schon gepackt: Wasser, Zahnbürste, Geld, Zahnpasta, Wechselklamotten und ein paar andere Dinge. Mehr brauchte ich nicht. Ich wusste, dass es nicht lange dauern würde, bis sie mich fanden. Außer ich würde es rechtzeitig zu meinem Zug schaffen. 16:36 Uhr. Ich hatte noch 40 Minuten Zeit.
Ich rannte zur Straße und blieb stehen. Dann winkte ich mir ein Taxi herbei. “Zum Hauptbahnhof, bitte. Ich zahle dir mehr, wenn du so schnell fährst, wie du kannst.” Kaum hatte ich den Satz ausgesprochen, trat der Taxifahrer aufs Gas. Mit meinem Ticket fest in der Hand schaute ich aus dem Fenster und stellte mir mein neues Leben in Miami vor. Mein Flug würde erst ein paar Stunden später starten, also müsste ich noch Zeit haben, mich ein wenig am Flughafen umzusehen, bevor ich abflog.
17:04 Uhr, noch 12 Minuten Zeit. Ich schaute auf mein Handy: 103 verpasste Anrufe von meiner Mutter. Und 33 von meinem Bruder. Ich blockierte beide und löschte ihre Nummern, bevor ich mein Handy ausschaltete. Das Taxi hielt an, und ich stieg aus. “Das macht 16 Pfund, Ma’am.” Ich holte den 20-Pfund-Schein raus und der Taxifahrer begann, in seinem Wechselgeld-Portemonnaie zu nach Geld zu suchen.
Ich schaute auf meine Uhr: 17:14 Uhr. Ich hatte nur noch 2 Minuten Zeit. Schwarze Autos begannen stehen zu bleiben und ich wusste, dass das nichts Gutes zu bedeuten hatte. Also fing ich an zu rennen.
17:15 Uhr. Meine Mutter stieg aus einem der Autos aus und sah sich um. Ich war längst im Hauptbahnhof.
17:17 Uhr. Ich hätte vor einer Minute da sein sollen. Doch so, wie ich Züge kannte, würden sie eh immer zu spät kommen. Ich rannte die Treppen zu meiner Bahn hoch und sah, keine fünf Meter entfernt von mir, meine Mutter. Ihr Blick war auf ihr Handy gerichtet, während sie sich umschaute. Dann sah sie in meine Richtung und rannte los.
Ich rannte die Treppen weiter hoch, bis ich oben war. Die Bahn wartete schon und die Türen schlossen sich gerade. 17:20 Uhr. Meine Mutter stand direkt hinter mir und griff nach mir, doch ich quetschte mich durch die Türen. Meine Mutter jedoch bekam meine Jackentasche zu fassen…
