Jeden Donnerstag ein neues Kapitel
von unserer Autorin D.cee
aus der spannenden Erzählung „Sleeping in a lie“
Ich sah auf. Der etwas dickere Mann, neben den ich mich gesetzt hatte, wollte nun vorbei.
“Hallo? Ich muss meinen Flug kriegen, also mach mal Platz. Wenn du nicht gleich aufstehst, dann schubse ich dich halt runter!“ Da der Mann anfing, seine Stimme zu erheben, wich ich erschrocken zurück. Mein Herz raste, und ich rutschte ungeschickt von meinem Sitz auf den Boden. Anstatt mir hochzuhelfen, ergriff der Mann seine Chance, schnappte seine Sachen, stieg über mich hinweg und ging Richtung Tür.
Ich griff in meine Jackentasche, um mein Handy herauszuholen, doch es war ja weg. Panik stieg wieder in mir auf und ich begann mich aufzurappeln. “Alles gut, Ma’am?“ fragte ein Junge in meinem Alter, der mich besorgt anschaute. Er hielt zwei große Taschen in seinen Händen. “Ja, ja, alles gut. Kümmere dich um deinen eigenen Kram,“ murmelte ich genervt und drehte mich wieder um, um mein Handy zu suchen. “Tut mir leid, Ma’am, ich wollte Ihnen nur helfen,“ sagte er zögerlich. Ich drehte mich erneut zu dem Jungen um, er hatte braune Augen und schwarze Haare. “Ja, aber habe ich nach Hilfe gefragt? Nein, habe ich nicht, also lass mich doch in Ruhe. Und ich habe dir auch nicht erlaubt, mich Ma’am zu nennen.” Danach schaute mich der Junge nur schweigend an. Ich murmelte ein leises „Sorry“ und stieg aus dem Zug aus.
Ein paar Minuten später fand ich den Ausgang des Bahnhofs und machte mich auf die Suche nach einem Taxi. Als ich eins sah, ging ich darauf zu und klopfte an die Fensterscheibe. „Können Sie mich zum Flughafen fahren?“ Der Taxifahrer nahm seine Zigarette aus dem Mund und nickte. Ich stieg ins Taxi und wartete. Nach fünf Minuten, in denen der Fahrer immer noch an seiner Zigarette herumzog, wurde ich ungeduldig. „Warum fahren wir noch nicht los?“ fragte ich. „Hab Pause,“ antwortete er knapp. Ich nickte nur. „Wie lange?“ „Noch fünf Minuten.“ Ich nickte erneut und beschloss, den Fahrer in Ruhe zu lassen, da er offenbar zu sehr damit beschäftigt war, immer wieder an seiner Zigarette zu ziehen. Nach ein paar Sekunden brach er jedoch die Stille. „Zum Flughafen – ohne Gepäck?“ “Nein, ich habe einen Rucksack, mehr brauche ich nicht.“ “Ich sehe aber keinen,“ erwiderte der Fahrer. “Nein, Sie haben Unrecht, mein Rucksack ist gleich hier.“ Ich tastete neben mich. Mein Rucksack war nicht da. Verdammt, ich hatte ihn im Zug vergessen.
