Jeden Donnerstag ein neues Kapitel
von unserer Autorin D.cee
aus der spannenden Erzählung „Sleeping in a lie“
In meinem Rucksack war alles, was ich brauchte: mein Reisepass, mein Personalausweis, mein Geld. Ohne Geld konnte ich nicht einmal zum Flughafen. Der Fahrer bemerkte meine Panik und drehte sich nach hinten. „Hast du überhaupt Geld, um mich zu bezahlen?“
Ich wurde nervös. Die fünf Minuten waren schon um, und wenn ich jetzt rausgeschmissen würde, könnte ich kein weiteres Taxi mehr kriegen. Mein Blick fiel nach draußen. Es warteten viele Leute auf ein Taxi und stritten sich sogar um die Autos. Doch bevor ich antworten konnte, klopfte jemand ans Fenster und öffnete die Tür. Es war der Junge aus dem Zug, der, den ich so angemotzt hatte.
„Ich packe unser Gepäck in den Kofferraum und hier haben Sie das Geld.“ Er drückte dem Taxifahrer 20£ in die Hand, bevor er das Gepäck in den Kofferraum legte. Das erinnerte mich daran, dass ich ja doch noch Geld hatte – das, was ich dem Taxifahrer geben wollte, bevor ich wegrennen musste, weil meine Mutter mich gefunden hatte. Der Junge setzte sich ins Taxi und forderte den Taxifahrer auf, loszufahren.
Ich war so erstaunt über die Ereignisse, dass ich erst nach drei Minuten Fahrt wieder meine Worte fand. „Was soll das?“ fragte ich den Jungen „Naja, ich brauchte auch ein Taxi und da ich keins gefunden habe, dachte ich mir, wir könnten uns dieses Taxi teilen.“ „Hast du meinen Rucksack?“ „Ja. Übrigens, du hast ein schönes Reisepass-Foto. Ist voll süß.“ „Warte, du warst an meinem Rucksack? Ist das etwa mein Geld?“ „Sei doch mal dankbar. Ohne mich hättest du überhaupt keinen Rucksack. Und ich habe dein Handy gefunden, nur damit du es weißt.“ Ich rollte mit den Augen und starrte aus dem Fenster. Meine Flucht nach Miami mit einem Jungen zu verbringen, hatte ich mir nicht erhofft, aber es war schon nett von ihm, dass er mir meine Sachen gebracht hatte, selbst nachdem ich ihn so angemotzt hatte. „Wie viel Uhr ist es eigentlich?” „Es ist 18:52 Uhr.“ „Und wie heißt du?” „Cole.“ „Schöner Name.” „Danke.” Cole fing wieder an, aus dem Fenster zu schauen. Ich beschloss, mich ebenfalls wieder dem Fenster zuzuwenden.
Nach einer halben Stunde waren wir endlich am Ziel. Cole stieg aus, nahm seine Sachen und verschwand – und ließ mich allein im Taxi zurück. Gerade als ich aus dem Taxi aussteigen wollte, sah ich Cole wieder. Ich wollte gerade die Tür öffnen, als ich bemerkte, dass er mit jemandem sprach. Er unterhielt sich mit einer Frau, die verdächtig wie meine Mutter aussah.
