Jeden Donnerstag ein neues Kapitel
von unserer Autorin D.cee
aus der spannenden Erzählung „Sleeping in a lie“
Ob es nun meine Mutter war oder nicht – früher oder später wäre ich aus dem Taxi gestiegen. Und wenn nicht, hätte mich der Fahrer sowieso rausgeworfen. Ich dachte an die Panik, die mich vor einer Stunde überfallen hatte, als ich mich aus dem Taxi in den Flughafen geschlichen hatte. Jetzt saß ich endlich im Flugzeug, doch ich konnte mich nicht entspannen. Auch wenn Cole und diese Frau längst verschwunden waren, als ich ausgestiegen war, blieb ich wachsam. Mein Blick huschte durch die Reihen, suchte nach irgendetwas Verdächtigem.
Der Platz neben mir war noch frei. Das Flugzeug wirkte beinahe leer, als wären nur drei Leute an Bord. Wahrscheinlich lag es nur daran, dass ich zu den Ersten gehörte, die eingestiegen waren. Ich saß am Fenster und hoffte insgeheim, dass sich niemand neben mich setzen würde – mehr Platz wäre angenehm.
Irgendwann schlief ich ein. Mitten im Flug weckte mich eine Flugbegleiterin. „Möchten Sie etwas zu Mittag essen?“ Schlaftrunken wählte ich mein Essen und wollte gerade wieder die Augen schließen, als mir auffiel, dass der Platz neben mir noch immer unbesetzt war. Hatte ich also doch Glück gehabt?
Ich lehnte mich zurück, streckte vorsichtig die Beine auf den freien Sitz und schloss die Augen. Doch plötzlich hielt mich eine Hand zurück. „Was soll das?“ Ich zuckte zusammen und sah auf. Cole stand vor mir und musterte mich mit irritiertem Blick. „Oh… sorry“, murmelte ich. „Ich wusste nicht, dass du hier sitzt. Ich dachte—“ Doch Cole ignorierte mich, schob mein Bein beiseite und ließ sich auf den Sitz fallen. Ohne ein weiteres Wort setzte er sich Kopfhörer auf und starrte auf den Bildschirm vor ihm.
Ich hätte ihn auch einfach ignorieren können. Doch dann fiel mir wieder ein, dass ich ihn noch etwas fragen wollte. „Cole?“ Keine Reaktion. Klar – die Kopfhörer. Also griff ich danach und zog sie ihm ab. „Ey! Was soll das? Gib sie zurück!“ „Ich hab nur eine Frage, okay?“ „Will ich nicht beantworten. Also gib meine Kopfhörer zurück.“
„Warte kurz. Mit wem hast du da gesprochen?“ Cole griff nach den Hörern, doch ich wich aus. „Nicht, bevor du mir antwortest.“ Er seufzte genervt. „Was? Warum? Magst du mich etwa oder was?“
