Hast du dich auch schon mal gefragt, ob hinter all dem, was auf der Welt passiert, mehr steckt als nur purer Zufall?

Im Islam glaubt man fest daran, dass nichts ohne Grund passiert. Es gibt immer eine tiefere Bedeutung, einen Plan, der sich entwickelt. Das hängt eng mit dem Konzept von al-Qadar zusammen, übersetzt als göttliche Bestimmung.

Stell dir vor, Gott, der das ganze Universum erschaffen hat, hat auch die Kontrolle und plant alles. Jedes kleine Ding, das in deinem Leben passiert, ist Teil eines riesigen Puzzles, das von Gottes unendlicher Weisheit zusammengefügt wird.

Im Koran, dem heiligen Buch des Islam, wird immer wieder betont, dass nichts passiert, was nicht entweder von Gott gewollt oder zumindest erlaubt wurde.

In Sure 57, Vers 22–23 steht:

„Es geschieht kein Unheil auf Erden oder an euch, das nicht in einem Buch wäre, bevor Wir es ins Dasein rufen, fürwahr, das ist Allah ein leichtes “ (Al-Hadid, 57:22–23). Das bedeutet, dass alles in einem größeren Zusammenhang steht, egal wie klein oder unbedeutend es dir vorkommt.

Islamische Gelehrte sagen oft, dass selbst der Flügelschlag einer Mücke nicht ohne Gottes Willen geschieht.

Denk mal drüber nach: Die Welt folgt einem Plan, der für uns Menschen oft schwer zu durchschauen ist. Es ist wie ein riesiges Bild, von dem wir nur einen winzigen Ausschnitt sehen.

Diese Idee wirft natürlich auch einige spannende Fragen auf. Die wichtigste ist vielleicht, wenn alles vorherbestimmt ist, sind wir Menschen dann überhaupt noch frei? Sind wir nur Marionetten, die an Gottes Fäden hängen und keine eigenen Entscheidungen treffen können?

Die islamische Lehre besagt, dass Gott zwar die Zukunft kennt und die Kontrolle hat, aber er gibt uns trotzdem die Freiheit, unseren eigenen Weg zu wählen. Wir haben einen freien Willen und sind für unsere Taten verantwortlich. Stell dir vor, Gott weiß, welchen Weg du gehen wirst, aber er zwingt dich nicht dazu, er gibt dir die Möglichkeit, selbst zu entscheiden.

Ein anderes großes Thema ist das Leid. Wenn alles seinen Sinn hat, warum gibt es dann so viel Leid, Ungerechtigkeit und Schmerz auf der Welt? Im Islam wird Leid oft als eine Prüfung gesehen. Es prüft unseren Glauben, unsere Geduld und hilft uns, innerlich zu reifen und stärker zu werden. In Sure 2, Vers 287 steht: „Gott fordert von keiner Seele mehr, als sie tragen kann.“

Das bedeutet, dass jeder Mensch das Leid ertragen kann, das ihm widerfährt. Man könnte es auch philosophisch sehen: Leid ist ein Teil des menschlichen Lebens und hilft uns, das Gute und das Glück noch mehr zu schätzen. Ohne Dunkelheit könnten wir das Licht nicht erkennen. „Alles, was Gott erschaffen hat, besitzt eine Bedeutung und eine Funktion. Der Mensch ist nicht zufällig erschaffen worden, sondern damit er Gott erkennt und seine Eigenschaften in sich widerspiegelt.“

Quelle: Philosophie der Lehren des Islam (Rede des Gründers der Ahmadiyya Gemeinde, gehalten auf der Weltreligionskonferenz 1896)

 Unsere eigene Einstellung ist superwichtig. Der Glaube, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht, sollte uns nicht dazu bringen, aufzugeben oder uns einfach treiben zu lassen. Im Gegenteil, der Islam betont, dass wir trotz der göttlichen Bestimmung Gutes tun sollen.

Wenn man es philosophisch betrachtet, kann die Idee, dass alles seinen Sinn hat, auch helfen, das Universum besser zu verstehen. Die Welt erscheint uns oft chaotisch und sinnlos, aber der Glaube an einen göttlichen Plan zeigt uns, dass hinter allem eine Ordnung und ein Sinn steckt. Diese Überzeugung kann uns Halt geben, wenn wir uns verloren oder allein fühlen wie ein sicherer Anker in stürmischen Zeiten.

 Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Vorstellung, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert ist, uns hilft das Leben besser zu verstehen. Es fordert uns heraus, über Themen wie Verantwortung, Leid und den Sinn des Lebens nachzudenken. Gleichzeitig lehrt es uns, auf Gottes Plan zu vertrauen. Wer daran glaubt, ist bereit ein bewusstes Leben zu führen. Ein Leben voller Sinn und innerem Frieden.

 Ein Beitrag von Atifah aus der EF

Ein Beitrag der Reihe „Mindshift am Montag – 5 Minuten Perspektivwechsel“